Über Stock und Stein

Mountainbike im Lamer Winkel und Bayerischen Wald

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Kategorie: International (Seite 1 von 7)

Ulrichsberg – Passau

Die letzte Etappe unseres dreitägigen Trip durch die Länder Deutschland, Tschechien und Österreich ging von Ulrichsberg nach Passau. Den Abend zuvor ließen wir noch auf der „Fleischbeng“ (Bar im Hotel) ausklingen, ehe um 7:15 Uhr der Wecker klingelte. Mit einem reichhaltigen Frühstück starteten wir in den Tag.
Die Sonne strahlte über den Ort Ulrichsberg und so ging es gut gelaunt auf die letzten 87 Kilometer nach Passau.

Gleich nach einem Kilometer hingen wir in den Serpentinen die uns zum Schöneck führten. Gestern sind wir die Trails vom Schöneck noch runtergerauscht und heute Quälten wir uns hoch zum Schöneck. Nach 4 Kilometer und 45 Minuten später hatten wir die erste große Hürde genommen.
Am „Schwemmbach“ entlang machten wir erst ordentlich Kilometer. Leicht abwärts auf einer Schotterstraße verlief der Radweg der uns von Österreich nach Tschechien und wieder zurück führte.

Mit voranschreiten des Tages wurde es zunehmen wärmer und die Sonne zeigte sich von ihrer besten Seite. Das Höhenprofil der Strecke sah auch nicht weiter schlimm aus, nur was uns erwartete machte mich mürbe. Eine hügelige Landschaft, ein auf und nieder immer wieder und alles meist ohne Schatten und auf der Straße. Bei Kilometer 40 machten wir dann unsere erste und letzte große Pause. Ein deftiges Grillteller und ein Wiener Schnitzel stand auf den Speiseplan. Nach einer Stunde Pause machten wir uns auf die Weiterreise.

Drei weitere Killeranstiege auf 20 Kilometer in der prallen Sonne bei 30+ Grad Celsius warteten auf uns. Meine Beine fühlten sich noch gut an aber mein Kopf hatte einfach keine Lust mehr. Mein Plan war irgendwann muss es ja Bergab gehen und so war es auch im Anschluss. Tom hingegen schien das ganze gar nichts auszumachen diesen alten Rennradfahrer, der ist es ja gewöhnt.

Als wir endlich alle Anstiege hinter uns gelassen haben ging es nur noch abwärts Richtung Donau. Der Weg war noch recht spaßig zu fahren, der Harvester hatte dort sein Unwesen getrieben und machte den Weg matschig und breit.
An der Donau angekommen leisteten wir zwei Fahrradfahrerinnen noch kurz erste Hilfe in dem Tom das Hinterrad mit seinem Multitool wieder fest verschraubte. Die weiterfahrt konnten sie jedoch nicht antreten weil im Reifen ein Achter war.

Dann kam ein wenig Zeitdruck um 17:15 ging der nächste Zug von Passau nach Gotteszell und wir hatten ja noch 16 Kilometer bis zum Bahnhof. Anfangs rollten wir mit knapp 20 km/h bis ich die dritte Luft bekam. Im Windschatten fuhren wir teils über 30 km/h und preschten 30 Minuten vollgas Richtung Hauptbahnhof den wir um 16:45 Uhr erreichten. Danach war ich total am Ende aber auch glücklich es geschafft zu haben.
Das Zugticket wurde gelöst und ein kühles Getränk gekauft dann ging die Reise nach Hause.

Um kurz nach 18:30 erreichten wir dann ohne große Zwischenfälle Gotteszell wo uns Tom sein Vater schon erwartete. Kurz vor dem Unwetter waren wir zuhause.

220 Kilometer, 4480 Höhenmeter und 4560 Tiefenmeter waren hart zu erarbeiten.

 

Kvilda – Ulrichsberg 

Heute früh um 9 Uhr starten wir bei Fröstlichen Temperaturen um die 10 Grad vom tschechischen Kvilda in das österreichische Ulrichsberg.

Vorher war packen und frühstücken angesagt, dieses war schlicht und einfach gehalten. Beim Kaffee hatten wir jedoch unsere Schwierigkeiten „Karo“ oder „türkischer Kaffee“ stand zur Auswahl. Keiner von uns beiden hatte jemals zuvor mit sowas zu tun, dementsprechend hatte dieser auch geschmeckt.

Die ersten 25 Kilometer bis zur Grenze waren sehr entspannt optimal um die Muskulatur in Stimmung zu bringen. Sie waren auch dementsprechend ereignislos.

An der tschechisch deutschen Grenze passierten wir den Ort Haidmühle. Optimal auch, dass direkt an unserer Route eine Bäckerei lag, wo wir uns einen ordentlichen Kaffee gönnten. Perfekt für den ersten echten Gipfel unserer Tour den Dreisessel.
Frisch gestärkt fuhren wir unserer Route nach und bald hatte auch unsere Tour auch endlich mal was mit Mountain Biken zu tun. Wir fuhren den Goldsteig Wanderweg hoch zum Dreisessel.
Dieser ist ziemlich hart zu fahren aber es geht. Die letzten 500 Meter mussten das Bike tragen. Fahren ist dort nur Talwärts möglich.

Am Berggasthof Dreisessel gab es für mich standesgemäß Käsespätzle und ein Radler. Thomas stärkte sich mit Kraut und Würstchen. Beim Mittagessen trafen wir auf einen gleichgesinnten den Daniel, ein echter Glücksfall. Ein Lokal der zufällig in Ulrichsberg wohnt. Kurzerhand wurde die Route über den Haufen geworfen und folgten dem Daniel und seinem Lefty zu unserer Unterkunft.

Auf unserer geplanten Stecke hätten wir vermutlich 70% tragen müssen. Die Alternative waren 3 fette Trails die die mir ein Grinsen ins Gesicht zauberten.

Leider gab es auch einen kleinen Sturz in einem ziemlich verblocken Abschnitt ging Tom über den Lenker, dies erzählte er uns erst bei dem Feierabend-Bier.

Zwischendurch gab es auch noch einige Höhenmeter zu verrichten und ein kostenloses Hochficht Guiding. Das immer wiederkehrende Bike Verbot auf Wegen war allgegenwärtig. Es gibt auch einen recht einfachen Grund dafür, in Österreich sind die Waldbesitzer für die Wege verantwortlich, um Klagen aus dem Weg zu gehen werden halt Wege gesperrt.

Fotos von den Trails gibt es leider keine die waren einfach nur mega. Von knifflig bis flowig war alles dabei.

Ein perfektes Mountain Bike Wetter mit einem perfekten Guide. Zum Schluss waren es 70 Kilometer mit 1300 Höhenmeter und 1600 Tiefenmeter.

Zum Tagesabschluss gab es ein paar Bier, Pizza, Salat und Eis. Die Nachspeise vom Tom war ein Schnitzel mit Salat. Ich bin beim Bier geblieben.

Morgen steht der letzte Tag unserer Tour an Ziel ist Passau.

Lam – Kvilda

Gegen 10 Uhr ging die Reise los von Lam nach Kvilda. Vorher war alles ziemlich hektisch, um 7 Uhr starker Regen und dann war noch diese Sache mit Packen und Route aufs GPS laden. Alles auf den aller letzten Drücker.

Bis zur Ebensäge war der Tom unser Guide was gleich mal schief ging 😂.  In Lohberg beim Parkplatz zu den Wasserfällen bog er falsch ab. Irgendwann sagte er mir dass dies nicht der richtige Weg sei. Alles klar, ein Blick auf das GPS und schon war klar wir sind falsch. Anschließend folgten wir den ursprünglich geplanten Weg zur Scheibe.

Dort angekommen füllte ich im Bach erst mal meine Trinkflasche auf und schob mir einen Riegel zwischen die Kiemen. Der Trail bis zum Grenzübergang war dermaßen nass und matschig dass dieser sehr unangenehm zu fahren war.

Im Tal angekommen kam der hässlichste und längste Anstieg des Tages hoch zum Pod Polomem. Dort oben war eine kurze Pause angedacht, die wir aber extrem kurz gehalten haben. Der teils heftige und kalte Wind war unerträglich. Die erste lange Abfahrt des Tages stand an, wir rollten in Gedanken dahin und schon vergasen wir abzubiegen. Grund dafür war dass, das GPS war am Rucksack montiert war. Sehr ungünstig wie sich herausstellte. Der Umbau erfolgte sogleich und das GPS wurde an den Lenker geklebt somit war nun eine optimale Routenführung möglich.

Durch den Nationalpark Sumava bis Kvilda geht es hauptsächlich auf geteerten Straßen, den Borkenkäfer sieht man auch an allen Ecken und Enden.

Unsere Mahlzeiten beschränkten sich heute nur auf Riegel und Gels, keine Wirtschaft weit und breit. 8 Kilometer vor Kvilda in Modrava an das erste Wirtshaus wo wir eine kurze einkehr machten.

Gegen 17:30 erreichten wir dann unsere Pension in dem Wintersportort. Ein sehr verschlafenes Nest wo 95% der Häuser aus Ferienwohnung, Gästezimmer  und Hotels besteht.

Nach einer ausgiebigen Dusche ging es in das hauseigene Restaurant wo wir gut und günstig Speisten. Vielen Dank an den Ober der uns die tschechische Speisekarte übersetzte. Tom gönnte sich ein Hirschgulasch und ich Semmelknödel mit Schweinelende und als Nachspeise Pommes. Natürlich durfte das Feierabend-Bier nicht fehlen.

Ein kurzer Rundgang durch Kvilda beendete unseren langen Tag.

Die 1800 Höhenmeter und 62 Kilometer waren ganz schon kräfte zerrend.

 

Tourvorbereitung Lam – Kvilda – Hochficht – Passau

Es ist angerichtet die Henkersmahlzeit wurde serviert. Osser Bier, Weber Grill und Grillfleisch. Ab morgen warten auf´n Tom und mich 3 Tage mit gut 220 Kilometer und fast 6000 Höhenmeter.
Einmal quer durch den Šumava über den Dreisessel zum Hochficht, einen Blick auf den Moldaustausee erhaschen und die letzten Kilometer an der Donau bis Passau ausklinken lassen – so wäre der Plan.

 

In den nächsten 3 Tagen werde ich täglich über unsere Erlebnisse berichten.

Lam – Scheiben – Pod Polomem – Schwellhäusl – Brenners – Lam

Nach der Tour vom Samstag stand am Sonntag eine weitere Tour an die es in sich haben sollte. Am Plan standen 65 Kilometer und 1800 Höhenmeter.

Um 9 Uhr traf ich mit dem Martin an der Eisdiele. Wir fuhren erst zur Ebensäge, wo es hoch ging zur Scheibe. Nur 12 Kilometer sind es bis zur Scheibe, hoch aber diese lassen sich ordentlich treten.

Vom Langlaufzentrum überquerten wir die Grenze auf einen schönen Singeltrail der leider ein wenig zu kurz gekommen ist. Ab der tschechischen Seite ist alles gut ausgebaut.

Wie üblich sind in Tschechien alle Wege geteert und sollten sie nicht geteert sein, sind sie auf jedenfall sehr breit. Was für den Uphill eigentlich gar nicht mal so schlecht ist.

Uns spuckte also der Weg in Alžbětín aus, wo es auf der anderen Seite gleich wieder hoch ging. Es ging nicht einfach nur hoch zum Lakasee sondern es ging weit nach oben. Keine steilen Rampen, keine flache Passagen, einfach nur bergauf und das für knapp 10 Kilometer.
Mein Kopf und meine Beine wurden jeden Meter den wir berauf fuhren müder und müder. Gut das wir zu zweit waren und uns der Gesprächsstoff nicht ausging. Alleine diesen schleimigen Anstieg hoch kurbeln da kann man sich gleich die Kugel geben.

Nach gefühlt 2 Stunden erreichten wir endlich den Gipfel Vlčí Jámy (1177m).

Den Lakasee haben wir ausgelassen, als wir uns umdrehten und Richtung Großen Arber schauten, sahen wir dass der von Regenwolken umhüllt war. Wir beschlossen die restlichen 3 Kilometer zum Lakasee zu sparen.

Gleich rechts abgebogen und Richtung Grenzpfad war die Devise. Anfangs war alles fahrbar, aber nach kurzer Zeit kam die Ernüchterung. Vom Sturm umgeworfene Bäume, verfaulte Äste und meter hohes Gras. Es stand fest auf diesem Weg geht es nicht weiter und wenn dann nur oben oder unten drüber. Ein kurzer Blick aufs GPS und schon war das Rad auf der Schulter. 200m Querfeldein und wir waren am Grenzpfad angekommen.

Die 500 Meter wo wir drauf fuhren wahren sehr genial, sie wären aber noch besser gewesen, wenn wir nicht bergauf gemusst hätten.

Der nächste Verbindungsweg war das gleiche wie vorhin, umgestürzte verrottete und verfaulte Bäume – Nationalpark sei Dank.

Irgendwann waren wir auf einen fahrbaren Weg und an einer Kreuzung wo wir natürlich falsch abbogen weil, es sollte ja runter gehen und nicht hoch und dann kam mein Versagen noch hinzu. Troz blick auf´s GPS in die „flasche“ Richtung gefahren, Respekt Woifgang. Geplant war ein Wanderweg, wir waren auf der Straße und als ich es bemerkte waren wir schon zu weit unten und wir hatten keine lust mehr hoch zu kurbel.

Nach ein paar Kilometer abwärts erreichten wir das Zwieslerwaldhaus ab hier war es nicht mehr weit zum Schwellhäusl wo wir Mittag machten.

Die gute Nachricht, Schnitzel mit Pommes war aus und Nudeln standen gar nicht auf der Karte. Dann musste eben ein Schweinsbraten mit Knödeln herhalten. Das perfekte Radfahrer Essen oben drauf noch einen Espresso. Nach einer guten Stunde Pause machten wir uns auf den letzten großen Abschnitt nach Hause. Am Tacho standen schon 40 Kilometer und knapp 1300 Höhenmeter.

Gleich vom Wirtshaus los ging es über eine steile Rampe hoch und ab dort begann auch mein persönliches Fiasko.
Diesen Anstieg werd ich so schnell nicht vergessen. Der rechte Oberschenkel war komplett zu und ich bekam die ersten Krämpfe, als ich absteigen wollte und mir den Krampf im Oberschenkel ausdehnen, bekam ich auf der hinterseite einen Krampf und fiel um.
Ohje dachte ich mir wie soll ich bloß den Brenners hoch kommen.

Irgendwann hört alles auf und so war auch der Krampf weg, in kleinen Gängen versuchte ich bloß nicht mit Kraft in die Pedale zu treten, was mir auch größten teils gelang. In Bayerisch Eisenstein ging es auf der Straße erst mal hoch bis zur Forststraße (Neuhütte) und der letzte Anstieg des Tages stand an.
Die verwirrenden Holztafeln taten ihr übriges. Laut Hinweistafel (Gehzeit) 1:45 Stunden zur Grafhütte und 1:30 Stunden von der Grafhütte zum Brenners und das auf 3 Kilometer und wir dachten uns ach du scheisse.

Hilft alles nichts wir mussten ja drüber damit wir Heim kommen.
Bis zur Grafhütte waren wir gut 20 Minuten unterwegs bei einer leichten Steigung ging recht schön zu fahren. Ab der Grafhütte waren es dann noch ca. 15 Minuten aber mit einer guten Steigung. Jeder fuhr sein eigenes Tempo hoch der Martin brauchte vermutlich nur halb so lang wie ich. Bei mir kam dann der Alptraum jedes Mountainbikers: Krämpfe in beiden Oberschenkeln bei jeden Tritt. Diese Schmerzen sind unbeschreiblich, aber absteigen zählt nicht und so hab ich mir regelrecht hoch gequält. Ich weiß nicht, ob ich die Schmerzen nicht mehr spürte oder ob sie weg waren. Zum Schluss ging es jedenfalls wieder relativ angenehm.

Am Brenners machten wir dann nochmals eine ausgiebige Riegelpause. Fit für die Abfahrt und wie wir in den Trail Richtung Ebensäge einbogen waren meine Krämpfe total vergessen. Glücksgefühle über den ersten und letzten langen Trail des Tages.

Um 17:00 Uhr erreichten wir dann unseren Ausgangspunkt.

Merce Martin für´s mitfahren.

 

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Thema von Anders Norén.